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Ein historisches Piano in Winterthur

-Paris 1840: -Die Nachwehen der Revolution machen der Parriser Bevölkerung zu schaffen. In 22 Jahren wird Victor Hugo seinen grossen Roman "Les Misérables" schreiben. Die Ideen der Herren Montesquieu, Voltaire, Rousseau und Diderot sind teilweise verwirklicht. Europa befindet sich noch unter dem Schock der Ereignissen zwischen 1787 und 1795. Die fünfte französische Republik wird in zwei Jahren Wirklichkeit. Die Industrialisierung ist voll im Gang. Ueberall schiessen selbstbewusste und innovative Kleinbetriebe aus dem Boden.

Die Schweiz ist zu dieser Zeit von dieser positiven Entwicklung nicht ausgeschlossen. In Burgdorf und Solothurn beginnt Philipp Heinrich Caesar, geb.am 24.Januar 1784, der aus Deutschland eingewanderte Klavier- und Orgelbauer seine Instrumente zu entwerfen und zu bauen.

Eines dieser Pianinos nun sollte mit einer langen Lebensgeschichte auf vielen Umwegen und durch glückliche Umstände schlussendlich in die Klavierwerkstatt an der Hegistrasse 35b in Winterthur gelangen.
-Ein Klavier von äusserst schöner Form, schlicht im Gehäuse, durchaus dem heutigen Geschmack von neuzeitlichem Design "vor"-empfunden. Das Instrument befindet sich im Originalzustand, d.h. bis zum heutigen Zeitpunkt wurde am Instrument nichts repariert und verändert.
Eine Besonderheit für aufrechte Pianinos zu dieser Zeit bedeutet der eingebaute Fagottzug. Eine mit Pergamentpapier garnierte Holzleiste wird mittels Pedaldruck gegen die Saiten gedrückt. Dadurch entsteht beim Spiel ein eigenartiger schnarrender Ton, ähnlich eines Fagotts.
Mit seiner Diagonalmensur, den drei Holzpedalen (Dämpfung, Fagott,- und Leisespielzug) und dem selten elogin.stud.ee.ethz.chrhaltenen Staubdeckel bedeutet das Instrument ein Zeugnis der Hochblüte des damaligen "Schweizerischen Klavierbaus".
Das Instrument ist unverkäuflich, und ist, so wie es ca. 1840 gebaut wurde, in der Klavierwerkstatt an der Hegistrasse nach voheriger Absprache (Tel.079/416 63 69) zu besichtigen.

Winterthur, im November 1999


Jugendstilpianl


Letzte Änderung: 01.01.2005 | © Martin Vogelsanger